Verändert das Internet die Art wie wir Lernen?

3. Januar 2012 | By | Add a Comment
Heute ist es in sehr vielen Bereichen möglich, über das Internet an umfassende Informationen zu gelangen. Je nach Fachgebiet ist es in Stunden oder Tagen möglich, zum Experten zu werden – ganz ohne den Zugriff auf klassische Fachliteratur oder den “leibhaftigen” Experten. Hat dies einen Einfluss auf unser Lernverhalten?

Als Schüler hatte ich diverse ausgefallene Interessensgebiete außerhalb des Schulstoffes. Der Fundus der örtlichen Leihbibliothek war schnell erschöpft und so blieb mir nur die langwierige Fernleihe.

Schon zehn Jahre später, als Diplomand, sah die Welt der Informationen ganz anders aus: Für meine Diplomarbeit zum Demokratisierungspotenzial des Internets konnte ich auf umfangreiche Online-Veröffentlichungen zurückgreifen.

Heute findet man praktisch alle Informationen größtenteils frei verfügbar im Internet. Die Menge an Informationen ist nicht unbedingt gestiegen, die Qualität – zumindest im Mittel – vielleicht sogar eher gesunken. Aber die Verfügbarkeit, also die Geschwindigkeit, mit der man auf die Informationen zugreifen kann, ist um ein Vielfaches gestiegen.

Unsere alte Art des Lernens, in Form von Schule, Universität, Seminaren, aber auch der klassischen Fachliteratur, hat sich aufgrund der damals komplizierten Informationsbeschaffung entwickelt. Die entscheidende Frage ist nun:

 

Wie wird sich das Lernen aufgrund der unmittelbaren Informationsverfügbarkeit entwickeln?

Viele halten E-Learning für die Antwort. Doch E-Learning adaptiert nur die alten Methoden aus den Zeiten der komplizierten Informationsvermittlung auf die neuen Möglichkeiten des Internets.

Machen wir einen kleinen Szenenschwenk zu Facebook und Twitter.

Personen, die sich wenig mit Facebook und Twitter auskennen fragen oft “wen interessiert das denn?”. Diese Personen haben noch nicht verstanden, dass die neuen Plattformen des Social Media anders als bisher funktionierten. Nicht der Schreibende entscheidet, was wen interessieren könnte. Er konzentriert sich darauf, Informationen anzubieten. Die Lesenden hingegen sind nun in der aktiven Rolle. Sie wählen aus der Vielzahl an Informationen die für sie in der aktuellen Situation interessanten Informationen aus.

Genau das gleiche passiert beim Lernen:

  1. Der Lernende braucht nicht mehr auf Vorrat zu lernen, da Informationen stets verfügbar sind (er braucht nicht grundsätzlich einen Experten/Lehrer/Dozenten).
  2. Der Lernende entscheidet in der Situation, welche Informationen er benötigt
  3. Die Wissenden hingegen stellen lediglich Informationen zur Verfügung, sie entscheiden nicht mehr, was in der jeweiligen Situation des Lernenden “richtig” ist
Man merkt sehr schnell, dass dieses System auf drei Säulen steht
  1. Einer großen Menge an verfügbaren Informationen
  2. Einer leistungsstarken Suche bzw. guten Verschlagwortung
Und drittens? Für beides ist eine große Community von Gleichgesinnten entscheidend. Nehmen wir den Hersteller von Business Software. Er allein ist nicht in der Lage, eine riesige Menge an Informationen zur Verfügung zu stellen. Er allein ist nicht in der Lage, die zur Verfügung gestellten Informationen aus Sicht der Anwender zu verschlagworten und zu bewerten.
Die funktionierende Community hingegen liefert aus Eigeninteresse praxisnahe Inhalte und filtert und bewertet gleichzeitig die existierenden Materialien. Eine funktionierende Community ist durch ihre Vielschichtigkeit und Dynamik jedem Support überlegen. Und sie entspricht der neuen Art des Lernens.

 

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